I have a dream

Ich hab mich bisher rausgehalten aus der ganzen Diskussion um einen schäbigen Haufen ausgehaltener Großkotze Transparency International Deutschland und einer Bloggerin, aber ich muss doch mal was zu bedenken geben.

Meines Erachtens nach tritt die Tatsache zu sehr in den Hintergrund, dass hier ein eklatanter Fall von Machtarroganz ins öffentliche Licht stolperte und einen Schlagschatten auf bestimmte Verhältnisse in diesem Land und sicher nicht nur hier wirft.

Die Zweiundachtzig-Millionen-Demokratie Bundesrepublik wird beherrscht und verwaltet von einer papierdünnen Schicht von einigen tausend Berufspolitikern, die in Parteien organisiert und in vielfältigen Ämtern etabliert sind, die ihnen den ausschlaggebenden Machtfaktor verleihen.

Gleichzeitig breitet sich eine immer fetter werdende Schicht sogenannter Führungs-Eliten wie ein Schimmelpilzbelag über sämtliche öffentliche und viele nichtöffentliche Gremien aus, die eigentlich für den Steuerzahler, der sie finanziert, arbeiten sollten, aber längst ein profitables und angesehenes Eigenleben führen. Letztlich kommt jeder Cent, den diese vielfältigen Gesellschaftsforschungsinstitute, Bewahrungsvereine und Fördergesellschaften verfressen, aus Bürgers Tasche, ohne dass eine ernst zu nehmende Kontrolle irgendwelcher Zwecke oder Ziele erfolgt.

Eliten bilden sich immer ein, das Volk würde sich nach ihnen richten. Regierungen haben bis drei Minuten vor ihrem Sturz immer die Illusion, die Geführten wären mit ihnen einverstanden. Mielkes gestammeltes "Ich liebe doch alle...alle Menschen" ist mir noch gut in Erinnerung.

Fällt niemandem auf, dass seit Rathergate in den USA und Udo Vetters erstem juristischen Schritt gegen ein ansonsten von Volkes Seite jegliche Unterwerfung gewohntes Netzwerk eine Ära angebrochen ist? Ich will nicht so weit gehen, sie die Ära der Wahrheit zu nennen, aber ich sehe zwei Generationen weiter. Meine Tochter geht bereits selbstverständlich mit dem Internet um, in ihrer Klasse gibt es keinen, der keine E-Mail-Adresse hat. Meine Eltern können nicht einmal einen Anrufbeantworter bedienen.

Was wird sein, wenn die jetzt herrschende Schicht, die mit Rundschreiben und Rattertelefon aufgewachsen ist, abgelöst wird von Menschen, die schon als Teens wie selbstverständlich Mails um den Globus schickten, Newsletter lasen, Blogs führten und mit dem Laptop im Intercity online vernetzt arbeiteten? Was wird geschehen, wenn nach dem Vorbild von Sci-Fi-Serien jeder Mensch ein persönliches Logbuch hat, sich zu jedem Thema jederzeit Informationen von denen holen kann, die wissen, wovon sie reden und die eben nicht lügen, weil man die Information in Echtzeit verifizieren kann? Was wird passieren, wenn Menschen, denen Unrecht geschieht, ihren Fall ohne Verzug öffentlich machen können und sie somit landesweit aktive Unterstützung erhalten, ohne auch nur ihren Schreibtisch zu verlassen?

Nun sage mir keiner, dass die Zukunft nicht der Fiktion über sie folgt. Gene Roddenberry hat sich das Beamen nur ausgedacht, um keine aufwändigen Start- und Landeszenen drehen zu müssen, heute forschen Wissenschaflter ernsthaft daran, Atome zu doppeln und über weite Strecken zu verschicken. Und Jules Verne ist wohl jedem ein Begriff.

Irgendwann werden wir keine Zeitungen mehr brauchen, um die Massen zu erreichen. Irgendwann wird es kein in jeder Szene gefälschtes Fernsehen mehr geben, sondern weltweit verfügbare echte Inhalte von echten Menschen für jeden Interessierten. Wo ist dann der Platz derer, die in Hinterzimmern kungeln, sich hinter Schreibtischen verkriechen, von verquasten staatlichen Zuwendungen leben und völlig vergessen haben, dass die Masse die verdammt noch mal größte Kraft im Universum ist? Und sie von ihr abhängig sind?

Wir administrieren eure Netzwerke, wir führen eure Bücher, tippen eure Briefe. Wir bewachen euch, während ihr schlaft. Vergessen, hm?

Nein. Sie ahnen es seit Jahren schon, sie ahnen es seit langem, mit dem Instinkt der Aasfresser wittern sie die Gefahr und steuern gegen, mit Veröffentlichungsverboten, mit Verfügungen, mit Gesetzen, mit der Kontrolle des Internets oder der Hardware.

Sie werden es nicht schaffen. Eines Tages wird eine T-Shirt-Näherin in Chenzen einen Verkäufer in Györ fragen können, was denn das Produkt ihrer Arbeit in Europa so wert ist. Und beide werden bei einer Bürogehilfin in Boston erfolgreich nachforschen, wo die Handelsspanne bleibt. Andere werden die Information verwenden. Und wieder andere werden etwas ändern. Egal wo. Und scheiß der Hund drauf, wie.

Absichtlich nur der Link zu Moni, ich setze voraus, dass jeder Leser mit einer Suchmaschine umgehen kann. Eine Übersicht über die ganze Affäre gibt´s bei Frau Fragmente. Und die gibt´s in der Blogroll
Legatus - 1. Apr, 00:46

Und lasst uns hoffen, dass es eher früher als später soweit ist...

sachsenwunder - 4. Apr, 17:12

Schöne neue Welt ... oder doch nicht?

Ganz so positiv wie Du sehe ich es leider nicht. Informationen von allen für alle - schön wär`s ja. Aber leider meines Erachtens illusorisch, weil es auch und gerade in Zeiten der totalen Informationsfreiheit und dem ungehinderten Zugang aller zu allem immer eine Schicht geben wird, die Wissen für sich behält. Und ich wage zu behaupten: Das ist auch gut so. Ich für meinen Teil möchte nicht alles wissen. Es sprengt nachgerade meinen Kopf und viele meiner Hirnwendungen sind schlicht nicht geeignet für Details. Aber vielleicht ist das bei Dir ganz anders und dann werde ich Dich dafür bewundern.

Trackback URL:
http://remington.twoday.net/stories/1764498/modTrackback

Trackbacks zu diesem Beitrag

sirdregan.twoday.net - 31. Mrz, 15:49

Auch wenn es wahrscheinlich schon allseits bekannt ist...

sollte man die Sache mit Moni ja... [weiter]