Das schmutzige Mädchen
Sie ist nicht schmutzig, beileibe nicht, wirklich. Aber ich habe schmutzige Gedanken, wenn es um sie geht; nichts anderes als schmutzige Gedanken sogar und deshalb nenne ich sie halt so. Sie wird es hoffentlich nie erfahren. Und da sie ebenfalls jedermann Spitznamen gibt, betrachte ich mich diesbezüglich als die ausgleichende Gerechtigkeit. Falls das irgendwann wichtig werden sollte.
Es fing vor einer Weile damit an, dass sie mich verkuppeln wollte. So was geht eigentlich niemals gut und die Motive der Kuppler sind oft mehr als eigennützig, aber ihr schien es Spaß zu machen. Die Kuppelei klappte nicht, stattdessen fing ich an, ihr selbst schweinische SMS zu schreiben, wobei sie mich in ihren Antworten um Längen übertraf. Wir könnten uns ja irgendwann mal treffen, kam es schließlich. Einfach so, zum Sex. Wo, bei dir oder bei mir? Mir egal. Na warte, du Luder, dachte ich. Und bestellte sie ein.
Ich war niemals der Typ, dem die Mädchen nach Hause folgten. Sie nahmen mich manchmal mit, vielleicht aus Mitleid. Das mündete dann meist in endlose Quatschereien und der bei allen Jungs verhassten Aussage: „Ach, mit dir kann man über alles reden, du bist ein echt netter Kerl“, ja, scheiß drauf. Heute weiß ich, dass es meine eigene Schuld war; dass Mädchen eigentlich kaum jemals so richtig wissen, was sie wollen und immer geführt werden sollten. Dass es ihnen lieber ist, wenn der Kerl auch mal zu weit geht. In Grenzen natürlich. Mir fehlte lange Zeit die Selbstsicherheit, einfach zu tun, was ich wollte; ich mochte die Mädchen nämlich sehr und hatte furchtbare Angst, mich zu blamieren und sie irgendwie zu verschrecken. Ich war eben nie der Kerl, der mit körperlichen Attributen punkten konnte; der Brad-Pit-Typ mit Knackarsch und geilen Klamotten, der auf dem Schulhof irgendwie immer umlagert ist. Woher sollte da die Sicherheit kommen?
Und so brachte ich sie meistens nur nach Hause und zum lachen und spielte den verständnisvollen Zuhörer. Später, in den ersten festen Beziehungen, fehlte mir noch immer diese Sicherheit; die Souveränität, für meine Bedürfnisse sorgen zu können und ich versuchte stattdessen, die Wünsche der Mädchen zu erraten und ihnen zu entsprechen. Das konnte nie gut gehen und mit jedem diesbezüglichen Irrtum, mit jedem Fehlschlag wurde ich unsicherer. Vergrub mich in die Theorie, statt praktisch und lustvoll mit der jeweiligen Partnerin gemeinsam zu lernen. So viel Zeit vertan.
Schließlich traf ich endlich Frauen, die ihre Bedürfnisse besser kannten und ihre Erfahrungen ohne zu zögern anwandten. Nun kam mir wieder die Theorie zugute, ich verband mein Wissen mit meiner Neugier und der Sex wurde mit jedem Mal besser. Natürlich nicht optimal. Dazu hätte die Liebe bleiben müssen, denn Frauen sind nicht wie Männer in der Lage, Sex zur Entspannung einzusetzen, sondern sie müssen entspannt sein, bevor sie Sex genießen können. Ich war nun neugierig, was das Dirty-Girl für eine war oder sein wollte. Soviel Frechheit war mir noch nicht untergekommen.
Ich erwartete nicht, dass sie auftauchen würde. Und wenn, dann nicht, dass sie bleiben würde. Wahrscheinlich würde es wieder nur Gequatsche werden. Nein, dann würde ich sie rausschmeißen. Bei ihr hatte ich den großen Vorteil, dass sie mir egal war. Sie war so gar nicht mein Typ.
Aber sie kam tatsächlich.
Ich war gerade damit fertig geworden, meine Bude damentauglich zu machen. Was nicht heißt, die Pornos unter die Couch zu schieben, sondern das Bad zu putzen. Gründlich. Die Küche war auch noch etwas rumpelig. Das Zimmer ebenfalls. Zum Glück besitze ich nicht viel, was aufgeräumt werden müsste. Staubsauger, Wischeimer, gründlich lüften. Baden, rasieren, Flasche Rotwein auf den Tisch. Moment, Kerzen noch. Ein Lämpchen in die Ecke. Das Bett wieder zur Couch machen. Die Kuscheldecke bereitlegen und ein paar Kissen. Allerhand Arbeit für so ein bisschen Bumserei. Ach Mist, die Heizung aufdrehen, volle Pulle, Frauen frieren immer. Einen Tee zur Begrüßung? Also, jetzt reichts. Sie haut sowieso gleich wieder ab. Und pünktlich wird sie sowieso nicht…
Es klingelt. Zehn Minuten zu früh. Gut, dass ich immer eine Sicherheitsreserve lasse.
Im Flur gibt es ein paar Fisimatenten, sie will sich nicht aus ihrer Jacke wickeln lassen. Gut, gebe ich ihr den Bügel in die Hand. Als ich sie dann auf der Couch habe, kapiere ich, warum. Ihr Ausschnitt ist größer als Kentucky.
„Kannst du mir auch mal ins Gesicht sehen?!“ Ich kann, aber nur kurz. „Wieso?“, murmele ich. „Hast du das nicht extra zum angucken da hingehängt?“ So was hätte ich früher nie gesagt!
Das Dirty-Girl gehört zu den Frauen, die auf der Straße unglaublich geil aussehen in ihren engen Jeans und den prall gefüllten Blusen. Aber wenn sie vor einem sitzen, erkennt Mann schnell, dass besonders die inneren Kleidungsstücke samt und sonders Hochleistungsträger sein müssen. Es ist jede Menge Formfleisch da, aber es hat keine Form! Die müssen die Klamotten erzwingen.
Na, was solls. Ich überlege, was ich jetzt machen soll. Die erotische Stimmung ist gleich null. Das Dirty-Girl sitzt mir gegenüber und starrt mir ins Gesicht. Ansonsten ist ihre Körperhaltung die eines Pastors im Pornokino. Sämtliche Gliedmaßen sind verschränkt und verwickelt. Die Fußspitze wippt. Und die Finger knabbern aneinander.
„Trink was.“ Ich schiebe ihr den Rotwein rüber, der natürlich ignoriert wird. Was nicht für mich gelten muss. Ich finde nicht mal, dass ich irgendwas reden sollte. Ich sehe sie mir einfach nur an.
„Und, zufrieden?“ Ihr Ton wird ein wenig entspannter, offenbar glaubt sie sich ihrer Wirkung sicher. Und das stimmt und stimmt auch wieder nicht. Sie ist nicht mein Typ und ich bin sicher, dass ich sie nicht mal gut riechen kann, aber geil bin ich trotzdem. Frauen werden das nie kapieren. Ficken ist für Männer wie für euch Manolos kaufen, okay?
„Warum bist du hier?“, frage ich sie. „Wenn du mir nur etwas beweisen wolltest, du kannst jederzeit gehen. Ich werd´ dich nicht aufhalten.“
Sie verknotet die Beine andersrum. Immerhin nimmt sie nun die Hände runter.
„Warum sollte ich gehen?“
Na gut. Ich bin nicht mehr der nette Junge von früher. Ich bin überhaupt nicht mehr nett. Das bringts nicht.
„Du hast geschrieben, dass du mir einen blasen willst, dass mir die Ohren schlackern. Dass wir nichts weiter als vögeln, weil es Spaß macht und ansonsten getrennte Wege gehen. Außerdem hast du mindestens zehn Mal geschrieben, dass du schüchtern bist…“
„Das stimmt auch!“
Ich muss seufzen. Und dann spreche ich das Schlusswort zu diesem Thema.
„Ich hab nicht vor, mir das den ganzen Abend anzuhören. Was ich will, ist richtig geil ficken. Nicht mehr. Okay?“
Sie sieht mir weiter unverwandt ins Gesicht. „Okay, gut.“
Tja, was nun. Sie hockt immer noch da wie eine Panzersperre. Dann habe ich eine Idee und rücke etwas näher zu ihr.
„Möchtest du hören, was ich mir da so ausgemalt habe?“
Schweigen. Unsere Gesprächspausen sind ziemlich lang, aber das stört mich nicht. Ich habe morgen frei. Im Gegensatz zu ihr. Dafür ist sie zwanzig Jahre jünger und steckt eine durchvögelte Nacht sicher leichter weg.
Also erzähle ich es ihr. Langsam. Und leise. In wohlgesetzten Worten, die zum Glück eine meiner Stärken sind. Oft denke ich, es ist die einzige. Aber es wirkt. Die Kerzen blaken, der Raum wird wärmer. Ich rücke meinen Drehquietscher näher an die Couch heran und nehme ihre Hände. Eiskalt, wie erwartet. Ich habe einen schicken, dicken, puscheligen Bademantel an, unter dem ich wohlriechend und warm bin. Hände kann man prima an Bäuchen wärmen, das wussten schon die Eskimos. Besonders an so kleinen, niedlichen, kuschligen Bäuchlein wie meinem.
Dann unterhalten wir uns ein bisschen über Hände. Über Frauen, warum sie immer frieren. Was Männer tun können, damit sie warm werden. Was Frauen tun, damit sie warm werden. Ich erfahre, dass sie einen Vibrator hat und ihn auch benutzt. Als ich fragen will wie, fällt mein Blick auf den Wecker und es ist schon halb zehn. Jetzt mal Butter bei die Fische hier.
„Hast du schon mal einen Schwanz in der Hand gehabt?“
„Klar!“ Sie guckt entrüstet.
„Ich meine, nicht so heimlich unter der Bettdecke, ich meine richtig. Mit ansehen und so.“
„Ja.“
„Und kennst du dich auch mit der Anatomie aus?“
„Was soll das, wird das so ne Art Unterricht hier?“
Hm, warum eigentlich nicht.
„Ich will nur nicht, dass du mir wehtust.
„Tue ich schon nicht.“
„Weißt du, was das Bändchen ist?“
Schweigen. Offenbar nicht. Also doch Unterricht.
„Mit dem Bändchen ist die Vorhaut an der Eichel befestigt. Das heißt, wenn du die Vorhaut bewegst und zu weit zurückziehst, dann tut das dort weh. Kapiert?“
„Hmhm.“
„Wusstest du, dass der Penis noch ein ganzes Stück in den Körper des Mannes hineinragt?
„Wieviel denn?“
Ich weiß es nicht, aber unsicher darf kein Lehrer sein.
„Ungefähr soviel, wie vorne rausguckt.“
„Aha.“
„Ja.“
„Also tut das weh, wenn ich ihn bewege?“ Da spricht die erfahrene Frau.
„Kommt drauf an, wie. Beweglich muss er ja schon sein, aber weit nach unten drücken zum Beispiel ist die falsche Idee.“
„Aha.“
„Ich zeigs dir dann mal.“
Mittlerweile sind ihre Beine entknotet. Meine Finger spielen ein wenig mit ihren Haaren, wir sind uns mittlerweile ganz nahe. Sie riecht nach einer Art Körperspülmittel. Und Kokos-Lotion. Ihr Grundgeruch ist der von rohem Speck. Ist ja auch genug davon da.
Es ist mir egal, ob sie gleich meine Hände wegschlägt und zeternd das Weite sucht. Egal ist mir auch, ob sie sich irgendwo beschwert. Etwas erzählt. Oder sonst was. Das macht richtig schön frei und rücksichtslos. Nicht egal ist, ob sie mir wirklich einen bläst. Ich ziehe ihr erst einmal die Bluse aus. Der Riesenbüstenhalter klemmt ein wenig, wie alle diese Dinger, aber diese Verzögerung ist mir nicht peinlich wie sonst immer. Sie neigt sich nach vorn und küsst meine Brust ab. Ihre Hände sind jetzt warm und gut unterwegs. Nicht dort, wo ich es gerne hätte, aber ich kann ihr Desinteresse immerhin begreifen. Sie ist noch in der Kuschelphase.
Und dann arbeiten wir genüsslich meine Wunschliste ab. Vorher erfolgt natürlich noch eine Arbeitsschutzeinweisung am empfindlichen Objekt. Von Fellatio weiß sie immerhin so viel, dass man das Ding dazu in den Mund nimmt. Ich erkläre ihr die Feinheiten und sie wird ein bisschen lockerer. Ich lösche das Lämpchen und nur die Kerzen beleuchten die Szene vor dem großen Spiegelschrank. Sie brav auf der Couch sitzend und ich an den Tisch gelehnt. Äußerst bequem und optisch anregend.
Bei den Stellungen hapert es gewaltig. Ihre früheren Freunde waren wohl froh, sie endlich auf den Rücken gewuchtet zu haben und es dabei belassen. Und sie hat sich weiter keine Gedanken gemacht. Ich nehme mein Dickerchen auf den Schoß und endlich wird sie ein wenig lockerer. Die ständigen Unterbrechungen haben bisher dafür gesorgt, dass die Erregungskurve immer wieder abfiel, was es für mich nicht weniger lustvoll machte, für sie aber sicher doch. Also beschließe ich, dass sie jetzt dran ist und von meinen Fertigkeiten profitieren darf. Es dauert ein Weilchen, bis ich herausgefunden habe, welche Zunge-Finger-Kombination am besten vertragen wird, aber dann geht’s ab. Natürlich stöhnt sie nur leise und versucht, ihre Bewegungen zu unterdrücken. Das wird das Thema fürs Nachspiel werden, denke ich.
Sie von hinten zu ficken ist unmöglich. Sie kniet da wie ein Baby in der Buddelkiste und ich muss lachen, als mir das skurrile der Situation bewusst wird. Zum Glück hält sie mein Schnaufen für was anderes. Schließlich hab ich´s satt, drehe sie rum und mache das, was sie offenbar am besten kennt. Alles muss einmal ein Ende haben.
Danach packe ich sie in die Decke ein. Sie mag immer noch keinen Wein und baden auch nicht. Wir reden ein bisschen, über Sex und das Leben, über Ernährung und Abnehmen und woran es liegen könnte, dass man in der Rückenlage die Knie nicht an die Brust kriegt. Sie erzählt von Kolleginnen, der Arbeit und dass sie sich noch für diesen Sommer hat breitschlagen lassen. Vielleicht geht sie dann wieder in ihr Dorf zurück. Das interessiert mich alles wie die letzte Pfannkuchenernte, aber der brave Zuhörer ist wieder zum Vorschein gekommen. Vielleicht aus schlechtem Gewissen. Also höre ich zu, kann das Gähnen aber nicht unterdrücken. Sie ignoriert es und ich muss ihr ziemlich unverblümt klarmachen, dass ich gleich ins Bett gehe. Alleine.
Kein Problem. Sie zieht sich an und geht. Sie wird SMS schreiben, wenn sie wieder Lust hat, meint sie. Klingt alles ziemlich locker und ich habe immer noch nicht rausbekommen, was sie eigentlich gewollt hat. Der kleine verschämte Orgasmus kann es wohl kaum gewesen sein, aber mehr gibt’s nicht.
Auch in Zukunft nicht.
Es fing vor einer Weile damit an, dass sie mich verkuppeln wollte. So was geht eigentlich niemals gut und die Motive der Kuppler sind oft mehr als eigennützig, aber ihr schien es Spaß zu machen. Die Kuppelei klappte nicht, stattdessen fing ich an, ihr selbst schweinische SMS zu schreiben, wobei sie mich in ihren Antworten um Längen übertraf. Wir könnten uns ja irgendwann mal treffen, kam es schließlich. Einfach so, zum Sex. Wo, bei dir oder bei mir? Mir egal. Na warte, du Luder, dachte ich. Und bestellte sie ein.
Ich war niemals der Typ, dem die Mädchen nach Hause folgten. Sie nahmen mich manchmal mit, vielleicht aus Mitleid. Das mündete dann meist in endlose Quatschereien und der bei allen Jungs verhassten Aussage: „Ach, mit dir kann man über alles reden, du bist ein echt netter Kerl“, ja, scheiß drauf. Heute weiß ich, dass es meine eigene Schuld war; dass Mädchen eigentlich kaum jemals so richtig wissen, was sie wollen und immer geführt werden sollten. Dass es ihnen lieber ist, wenn der Kerl auch mal zu weit geht. In Grenzen natürlich. Mir fehlte lange Zeit die Selbstsicherheit, einfach zu tun, was ich wollte; ich mochte die Mädchen nämlich sehr und hatte furchtbare Angst, mich zu blamieren und sie irgendwie zu verschrecken. Ich war eben nie der Kerl, der mit körperlichen Attributen punkten konnte; der Brad-Pit-Typ mit Knackarsch und geilen Klamotten, der auf dem Schulhof irgendwie immer umlagert ist. Woher sollte da die Sicherheit kommen?
Und so brachte ich sie meistens nur nach Hause und zum lachen und spielte den verständnisvollen Zuhörer. Später, in den ersten festen Beziehungen, fehlte mir noch immer diese Sicherheit; die Souveränität, für meine Bedürfnisse sorgen zu können und ich versuchte stattdessen, die Wünsche der Mädchen zu erraten und ihnen zu entsprechen. Das konnte nie gut gehen und mit jedem diesbezüglichen Irrtum, mit jedem Fehlschlag wurde ich unsicherer. Vergrub mich in die Theorie, statt praktisch und lustvoll mit der jeweiligen Partnerin gemeinsam zu lernen. So viel Zeit vertan.
Schließlich traf ich endlich Frauen, die ihre Bedürfnisse besser kannten und ihre Erfahrungen ohne zu zögern anwandten. Nun kam mir wieder die Theorie zugute, ich verband mein Wissen mit meiner Neugier und der Sex wurde mit jedem Mal besser. Natürlich nicht optimal. Dazu hätte die Liebe bleiben müssen, denn Frauen sind nicht wie Männer in der Lage, Sex zur Entspannung einzusetzen, sondern sie müssen entspannt sein, bevor sie Sex genießen können. Ich war nun neugierig, was das Dirty-Girl für eine war oder sein wollte. Soviel Frechheit war mir noch nicht untergekommen.
Ich erwartete nicht, dass sie auftauchen würde. Und wenn, dann nicht, dass sie bleiben würde. Wahrscheinlich würde es wieder nur Gequatsche werden. Nein, dann würde ich sie rausschmeißen. Bei ihr hatte ich den großen Vorteil, dass sie mir egal war. Sie war so gar nicht mein Typ.
Aber sie kam tatsächlich.
Ich war gerade damit fertig geworden, meine Bude damentauglich zu machen. Was nicht heißt, die Pornos unter die Couch zu schieben, sondern das Bad zu putzen. Gründlich. Die Küche war auch noch etwas rumpelig. Das Zimmer ebenfalls. Zum Glück besitze ich nicht viel, was aufgeräumt werden müsste. Staubsauger, Wischeimer, gründlich lüften. Baden, rasieren, Flasche Rotwein auf den Tisch. Moment, Kerzen noch. Ein Lämpchen in die Ecke. Das Bett wieder zur Couch machen. Die Kuscheldecke bereitlegen und ein paar Kissen. Allerhand Arbeit für so ein bisschen Bumserei. Ach Mist, die Heizung aufdrehen, volle Pulle, Frauen frieren immer. Einen Tee zur Begrüßung? Also, jetzt reichts. Sie haut sowieso gleich wieder ab. Und pünktlich wird sie sowieso nicht…
Es klingelt. Zehn Minuten zu früh. Gut, dass ich immer eine Sicherheitsreserve lasse.
Im Flur gibt es ein paar Fisimatenten, sie will sich nicht aus ihrer Jacke wickeln lassen. Gut, gebe ich ihr den Bügel in die Hand. Als ich sie dann auf der Couch habe, kapiere ich, warum. Ihr Ausschnitt ist größer als Kentucky.
„Kannst du mir auch mal ins Gesicht sehen?!“ Ich kann, aber nur kurz. „Wieso?“, murmele ich. „Hast du das nicht extra zum angucken da hingehängt?“ So was hätte ich früher nie gesagt!
Das Dirty-Girl gehört zu den Frauen, die auf der Straße unglaublich geil aussehen in ihren engen Jeans und den prall gefüllten Blusen. Aber wenn sie vor einem sitzen, erkennt Mann schnell, dass besonders die inneren Kleidungsstücke samt und sonders Hochleistungsträger sein müssen. Es ist jede Menge Formfleisch da, aber es hat keine Form! Die müssen die Klamotten erzwingen.
Na, was solls. Ich überlege, was ich jetzt machen soll. Die erotische Stimmung ist gleich null. Das Dirty-Girl sitzt mir gegenüber und starrt mir ins Gesicht. Ansonsten ist ihre Körperhaltung die eines Pastors im Pornokino. Sämtliche Gliedmaßen sind verschränkt und verwickelt. Die Fußspitze wippt. Und die Finger knabbern aneinander.
„Trink was.“ Ich schiebe ihr den Rotwein rüber, der natürlich ignoriert wird. Was nicht für mich gelten muss. Ich finde nicht mal, dass ich irgendwas reden sollte. Ich sehe sie mir einfach nur an.
„Und, zufrieden?“ Ihr Ton wird ein wenig entspannter, offenbar glaubt sie sich ihrer Wirkung sicher. Und das stimmt und stimmt auch wieder nicht. Sie ist nicht mein Typ und ich bin sicher, dass ich sie nicht mal gut riechen kann, aber geil bin ich trotzdem. Frauen werden das nie kapieren. Ficken ist für Männer wie für euch Manolos kaufen, okay?
„Warum bist du hier?“, frage ich sie. „Wenn du mir nur etwas beweisen wolltest, du kannst jederzeit gehen. Ich werd´ dich nicht aufhalten.“
Sie verknotet die Beine andersrum. Immerhin nimmt sie nun die Hände runter.
„Warum sollte ich gehen?“
Na gut. Ich bin nicht mehr der nette Junge von früher. Ich bin überhaupt nicht mehr nett. Das bringts nicht.
„Du hast geschrieben, dass du mir einen blasen willst, dass mir die Ohren schlackern. Dass wir nichts weiter als vögeln, weil es Spaß macht und ansonsten getrennte Wege gehen. Außerdem hast du mindestens zehn Mal geschrieben, dass du schüchtern bist…“
„Das stimmt auch!“
Ich muss seufzen. Und dann spreche ich das Schlusswort zu diesem Thema.
„Ich hab nicht vor, mir das den ganzen Abend anzuhören. Was ich will, ist richtig geil ficken. Nicht mehr. Okay?“
Sie sieht mir weiter unverwandt ins Gesicht. „Okay, gut.“
Tja, was nun. Sie hockt immer noch da wie eine Panzersperre. Dann habe ich eine Idee und rücke etwas näher zu ihr.
„Möchtest du hören, was ich mir da so ausgemalt habe?“
Schweigen. Unsere Gesprächspausen sind ziemlich lang, aber das stört mich nicht. Ich habe morgen frei. Im Gegensatz zu ihr. Dafür ist sie zwanzig Jahre jünger und steckt eine durchvögelte Nacht sicher leichter weg.
Also erzähle ich es ihr. Langsam. Und leise. In wohlgesetzten Worten, die zum Glück eine meiner Stärken sind. Oft denke ich, es ist die einzige. Aber es wirkt. Die Kerzen blaken, der Raum wird wärmer. Ich rücke meinen Drehquietscher näher an die Couch heran und nehme ihre Hände. Eiskalt, wie erwartet. Ich habe einen schicken, dicken, puscheligen Bademantel an, unter dem ich wohlriechend und warm bin. Hände kann man prima an Bäuchen wärmen, das wussten schon die Eskimos. Besonders an so kleinen, niedlichen, kuschligen Bäuchlein wie meinem.
Dann unterhalten wir uns ein bisschen über Hände. Über Frauen, warum sie immer frieren. Was Männer tun können, damit sie warm werden. Was Frauen tun, damit sie warm werden. Ich erfahre, dass sie einen Vibrator hat und ihn auch benutzt. Als ich fragen will wie, fällt mein Blick auf den Wecker und es ist schon halb zehn. Jetzt mal Butter bei die Fische hier.
„Hast du schon mal einen Schwanz in der Hand gehabt?“
„Klar!“ Sie guckt entrüstet.
„Ich meine, nicht so heimlich unter der Bettdecke, ich meine richtig. Mit ansehen und so.“
„Ja.“
„Und kennst du dich auch mit der Anatomie aus?“
„Was soll das, wird das so ne Art Unterricht hier?“
Hm, warum eigentlich nicht.
„Ich will nur nicht, dass du mir wehtust.
„Tue ich schon nicht.“
„Weißt du, was das Bändchen ist?“
Schweigen. Offenbar nicht. Also doch Unterricht.
„Mit dem Bändchen ist die Vorhaut an der Eichel befestigt. Das heißt, wenn du die Vorhaut bewegst und zu weit zurückziehst, dann tut das dort weh. Kapiert?“
„Hmhm.“
„Wusstest du, dass der Penis noch ein ganzes Stück in den Körper des Mannes hineinragt?
„Wieviel denn?“
Ich weiß es nicht, aber unsicher darf kein Lehrer sein.
„Ungefähr soviel, wie vorne rausguckt.“
„Aha.“
„Ja.“
„Also tut das weh, wenn ich ihn bewege?“ Da spricht die erfahrene Frau.
„Kommt drauf an, wie. Beweglich muss er ja schon sein, aber weit nach unten drücken zum Beispiel ist die falsche Idee.“
„Aha.“
„Ich zeigs dir dann mal.“
Mittlerweile sind ihre Beine entknotet. Meine Finger spielen ein wenig mit ihren Haaren, wir sind uns mittlerweile ganz nahe. Sie riecht nach einer Art Körperspülmittel. Und Kokos-Lotion. Ihr Grundgeruch ist der von rohem Speck. Ist ja auch genug davon da.
Es ist mir egal, ob sie gleich meine Hände wegschlägt und zeternd das Weite sucht. Egal ist mir auch, ob sie sich irgendwo beschwert. Etwas erzählt. Oder sonst was. Das macht richtig schön frei und rücksichtslos. Nicht egal ist, ob sie mir wirklich einen bläst. Ich ziehe ihr erst einmal die Bluse aus. Der Riesenbüstenhalter klemmt ein wenig, wie alle diese Dinger, aber diese Verzögerung ist mir nicht peinlich wie sonst immer. Sie neigt sich nach vorn und küsst meine Brust ab. Ihre Hände sind jetzt warm und gut unterwegs. Nicht dort, wo ich es gerne hätte, aber ich kann ihr Desinteresse immerhin begreifen. Sie ist noch in der Kuschelphase.
Und dann arbeiten wir genüsslich meine Wunschliste ab. Vorher erfolgt natürlich noch eine Arbeitsschutzeinweisung am empfindlichen Objekt. Von Fellatio weiß sie immerhin so viel, dass man das Ding dazu in den Mund nimmt. Ich erkläre ihr die Feinheiten und sie wird ein bisschen lockerer. Ich lösche das Lämpchen und nur die Kerzen beleuchten die Szene vor dem großen Spiegelschrank. Sie brav auf der Couch sitzend und ich an den Tisch gelehnt. Äußerst bequem und optisch anregend.
Bei den Stellungen hapert es gewaltig. Ihre früheren Freunde waren wohl froh, sie endlich auf den Rücken gewuchtet zu haben und es dabei belassen. Und sie hat sich weiter keine Gedanken gemacht. Ich nehme mein Dickerchen auf den Schoß und endlich wird sie ein wenig lockerer. Die ständigen Unterbrechungen haben bisher dafür gesorgt, dass die Erregungskurve immer wieder abfiel, was es für mich nicht weniger lustvoll machte, für sie aber sicher doch. Also beschließe ich, dass sie jetzt dran ist und von meinen Fertigkeiten profitieren darf. Es dauert ein Weilchen, bis ich herausgefunden habe, welche Zunge-Finger-Kombination am besten vertragen wird, aber dann geht’s ab. Natürlich stöhnt sie nur leise und versucht, ihre Bewegungen zu unterdrücken. Das wird das Thema fürs Nachspiel werden, denke ich.
Sie von hinten zu ficken ist unmöglich. Sie kniet da wie ein Baby in der Buddelkiste und ich muss lachen, als mir das skurrile der Situation bewusst wird. Zum Glück hält sie mein Schnaufen für was anderes. Schließlich hab ich´s satt, drehe sie rum und mache das, was sie offenbar am besten kennt. Alles muss einmal ein Ende haben.
Danach packe ich sie in die Decke ein. Sie mag immer noch keinen Wein und baden auch nicht. Wir reden ein bisschen, über Sex und das Leben, über Ernährung und Abnehmen und woran es liegen könnte, dass man in der Rückenlage die Knie nicht an die Brust kriegt. Sie erzählt von Kolleginnen, der Arbeit und dass sie sich noch für diesen Sommer hat breitschlagen lassen. Vielleicht geht sie dann wieder in ihr Dorf zurück. Das interessiert mich alles wie die letzte Pfannkuchenernte, aber der brave Zuhörer ist wieder zum Vorschein gekommen. Vielleicht aus schlechtem Gewissen. Also höre ich zu, kann das Gähnen aber nicht unterdrücken. Sie ignoriert es und ich muss ihr ziemlich unverblümt klarmachen, dass ich gleich ins Bett gehe. Alleine.
Kein Problem. Sie zieht sich an und geht. Sie wird SMS schreiben, wenn sie wieder Lust hat, meint sie. Klingt alles ziemlich locker und ich habe immer noch nicht rausbekommen, was sie eigentlich gewollt hat. Der kleine verschämte Orgasmus kann es wohl kaum gewesen sein, aber mehr gibt’s nicht.
Auch in Zukunft nicht.
Remington - 17. Feb, 21:27

Danke für diese Geschichte (insbesondere den Teil über damals, das ist doch eine verrückte Welt, nicht wahr?)...