Polar(i)marsch
Heute Ausfall gewagt. Brauchte dreißig Minuten zum Anziehen, davon allein zehn für die Stiefel.
Fette Socken, Shorts, lange Unterhose, fette Cordhose. T-Shirt, Long-Shirt, dünnes Fleece, dickes Fleece, Fellparka. Headphones. Mütze drüber. Kapuze auf, Handschuhe an, Kuriersack auf. Vergessen, den Player einzuschalten. Handschuh wieder aus, Taste befummeln, Handschuh wieder an. Quatsch mit Soße, Schlüsselhandhabung mit Handschuh geht nicht. Also Handschuh in Parkatasche, wird im Lift angezogen. Wenigstens die Tasten da sind groß genug.
Erster Schritt ins Foyer, Gruß zum Concierge, der sich clever das Grinsen verkneift. Mutig durch die Tür, halt, der Briefkasten. Schlüssel ist in Cordhosentasche. Handschuh aus, Schlüssel ausgraben, Zeitung einsacken. Schlüssel weg, Handschuh an. Tief Luft holen. Letzte Tür, das Weiß blendet. Raus und Augen zusammenkneifen.

Erster Gedanke: Gar nicht so kalt. Dann schießen die Tränen aus den Augen und die Nase läuft. Keine Ahnung, was das soll. Taschentücher sind im Kuriersack. Also schniefen und Handschuh an die Augen drücken. Weitertaumeln. KnartzKnartzKnartz. Kein Matsch mehr, das hat auch sein Gutes. Bis zur Haltestelle schniefe und heule ich vor mich hin. Hatte eigentlich längeren Fußmarsch vor, wegen Fitness und Frische Luft und so. Bahn steht abfahrbereit. Warme Bahn. Leck mich am Arsch, Fitnessfrische.
Kein Fahrschein übrigens. Ach Scheiß, ich steig eh gleich aus. Mach ich auch. Schnief und Heul sind gestoppt. A lot of people here. Toll, wer alles nicht arbeiten muss. Ob der bereifte Fahrkartenautomat funktioniert?
Er zeigts jedenfalls an. Fünfzig Euro aus der absoluten Notreserve zutscht er ein. Schmeißt Fahrschein und vier Euro aus. Zur Bibliothek fährt der Bus. Oha.
Es ist knapp nach zwölf. Gerate in die frühmorgendliche Studentenrushhour. Dank guter Taktik erster im Bus. Dann nur noch ein Sinterteilchen im jungen Volk. Viele unbemützt, aber nix bauchfreies mehr, sieh an. Haltestelle zieht vorbei, na gut. Nächste geht auch noch. The Universität. Bus kotzt sich aus. Stapfe los. Entlastungsbus kommt. Kein Mensch drin.
KnartzKnartzKnartz. Bibo klein und leer. Voller Bücher aber. Handschuh aus, Kapuze ab, Mütze ab, Phones ab, Tasche runter, Bücher raus, Tasche einschließen. Was sonst zwei Sekunden dauert, zieht sich hin. Headphonekabel steif wie…hm. Kuriersack knarrt, nie gehört, das. Sogar die Bücher sind kalt.
Drei Schritt zum Tresen und ich schwitze. Parka auf, Dickfleecekragen auf, Dünnfleecekragen auf. Schnauf. Smalltalk. DurchRegaletaumel. Schwitzend wieder zum Tresen, Präliminarien abspulen, Bücher einpacken. Sack über, Parka zu, Fleeces zu, Phones auf, Mütze auf, Handschuh an. Raus. Tränen. Scheiße, Taschentücher vergessen. Schnief. Schritt nach vorn. Fahrradfahrerin schreit. Hops nach vorn. Auto schreit, Hops zurück. Phones zu leise.
Next stop Schlecker. Handschuh aus, Kapuze ab, Phones ab. Verkäuferin schnieft und röchelt Preis raus. Handschuh an, Wechselgeld nehmen, ins Freie treten. Hoffen, dass Frost Viren abtötet. Problem mit Einhandüberzerrtechnik Phones and Mütz und Kapuz. Münzen durch Luft schlenkern. Ach was, steck ein, steck an. Bahn gleitet lautlos um die Ecke. Next stop Bahnhof.
Längere Strecke. Also Handschuh aus, Kapuze ab, Kuriersack auf, Buch raus. Anlesen, wieder einstecken. Wieder nicht an Taschentücher gedacht. Kapuze auf, Handschuh an, aussteigen. Merken, dass wieder nicht an Taschentücher gedacht. Handschuh (Wildleder) auf einer Seite dunkelfeucht und froststarr. Mobilphone rings in the Hosentasche. Merde. Handschuh aus, Phones ab, erster Grabungsversuch schlägt fehl. Mobilphone sagt keinen Ton. Rückruf einleiten. Termin fällt aus. Ooookay. Next station LangTzu Chinamampftempel. Entfernung zweihundert KnartzKnartzKnartz.
Chinamampftempel hat gläserne Wände. Laden fast leer. KnartzKnartzKnartz. Geschäftsmanngroup and Geschäftsfraugroup nähern sich von links. Und rechts. KnarrKnarrKnarrKnarr. Dritter Platz. An Bestellkasse elfter Platz. Laden ist nicht sehr groß. Aber warm. Alle Woks voll unter Feuer. Bleibt genug Zeit zum Ausziehen.
Handschuh aus, Kapuze ab, Mütze ab, Phones and Player ab. Kuriersack ab, Parka aus. Stuhl mit allem beladen. Huch, schon dran. Bestellung aufgeben, praktischerweise gleich zahlen. Zweiten Stuhl suchen. Essen kommt schnell und ist superscharf. Fein. Schwitz. Geschäftsleute haben nur Anzüge und Lederslipper an. Weg zum Bürohaus fünfzig Meter. Harte Burschen.
Mampf beendet, Anzugordnung herstellen. Parka an, zuzerren. Sack über, Player befestigen, Phones über, Mütze auf, Kapuze auf, Handschuh an. Gruß and go. KnartzKnartzKnartz zur Haltestelle. Tram in seven minutes? Ich werd erfrieren.
Schon kriecht Frost zwischen Handschuhstulp und Parkaärmelende. Würschzerrfluch. Endlich dicht. Oder doch nicht? Bahn lautlos um Ecke, fährt fast schon wieder los. KnarrKnarrKnarrKnarrKnarr. Uff. Bahn voll und warm. Viele Haltestellen. Kapuze ab, Handschuh aus, Sack ab and open, Buch raus. Festlesen. Kuschlige Wärme schläfert ein. Zielhaltestelle fast verpassen. Wait of me!! Alles packen und raushopsen. Frostschock. Erwägung, den dreihundert Meter entfernten heimatlichen Wohnblock per Kamikazespurt zu erreichen. Verworfen wegen schlechter Umweltbedingungen. Gute Entscheidung. Parka zu, Mütze festzurren, Sack über, Kapuze auf, Handschuh an. Lets go.
Muttchen mit Hinterherzerrrollertasche blockiert zum Schmalpfad verschneetrampelten Exfußweg. Überholen unmöglich, da Vorobjekt stark ondulierten Trinkerschritt an den Tag legt. Resignation. KnaaartzKnaaartzKnaaartz. Kälte kriecht zwischen unzureichend befestigte Handschuhstulpen und Parkaärmel. Überholmöglichkeit wird wegen wieder vertränter Augen nicht wahrgenommen. Letzter Ausweg Eingang Wohnturm. Tür eins, Tür zwei. Concierge grinst diesmal offen.
„Na? Wie wars am Nordpol?“
ZähneKnirschKnirschKnirsch.
Fette Socken, Shorts, lange Unterhose, fette Cordhose. T-Shirt, Long-Shirt, dünnes Fleece, dickes Fleece, Fellparka. Headphones. Mütze drüber. Kapuze auf, Handschuhe an, Kuriersack auf. Vergessen, den Player einzuschalten. Handschuh wieder aus, Taste befummeln, Handschuh wieder an. Quatsch mit Soße, Schlüsselhandhabung mit Handschuh geht nicht. Also Handschuh in Parkatasche, wird im Lift angezogen. Wenigstens die Tasten da sind groß genug.Erster Schritt ins Foyer, Gruß zum Concierge, der sich clever das Grinsen verkneift. Mutig durch die Tür, halt, der Briefkasten. Schlüssel ist in Cordhosentasche. Handschuh aus, Schlüssel ausgraben, Zeitung einsacken. Schlüssel weg, Handschuh an. Tief Luft holen. Letzte Tür, das Weiß blendet. Raus und Augen zusammenkneifen.

Erster Gedanke: Gar nicht so kalt. Dann schießen die Tränen aus den Augen und die Nase läuft. Keine Ahnung, was das soll. Taschentücher sind im Kuriersack. Also schniefen und Handschuh an die Augen drücken. Weitertaumeln. KnartzKnartzKnartz. Kein Matsch mehr, das hat auch sein Gutes. Bis zur Haltestelle schniefe und heule ich vor mich hin. Hatte eigentlich längeren Fußmarsch vor, wegen Fitness und Frische Luft und so. Bahn steht abfahrbereit. Warme Bahn. Leck mich am Arsch, Fitnessfrische.
Kein Fahrschein übrigens. Ach Scheiß, ich steig eh gleich aus. Mach ich auch. Schnief und Heul sind gestoppt. A lot of people here. Toll, wer alles nicht arbeiten muss. Ob der bereifte Fahrkartenautomat funktioniert?
Er zeigts jedenfalls an. Fünfzig Euro aus der absoluten Notreserve zutscht er ein. Schmeißt Fahrschein und vier Euro aus. Zur Bibliothek fährt der Bus. Oha.
Es ist knapp nach zwölf. Gerate in die frühmorgendliche Studentenrushhour. Dank guter Taktik erster im Bus. Dann nur noch ein Sinterteilchen im jungen Volk. Viele unbemützt, aber nix bauchfreies mehr, sieh an. Haltestelle zieht vorbei, na gut. Nächste geht auch noch. The Universität. Bus kotzt sich aus. Stapfe los. Entlastungsbus kommt. Kein Mensch drin.
KnartzKnartzKnartz. Bibo klein und leer. Voller Bücher aber. Handschuh aus, Kapuze ab, Mütze ab, Phones ab, Tasche runter, Bücher raus, Tasche einschließen. Was sonst zwei Sekunden dauert, zieht sich hin. Headphonekabel steif wie…hm. Kuriersack knarrt, nie gehört, das. Sogar die Bücher sind kalt.
Drei Schritt zum Tresen und ich schwitze. Parka auf, Dickfleecekragen auf, Dünnfleecekragen auf. Schnauf. Smalltalk. DurchRegaletaumel. Schwitzend wieder zum Tresen, Präliminarien abspulen, Bücher einpacken. Sack über, Parka zu, Fleeces zu, Phones auf, Mütze auf, Handschuh an. Raus. Tränen. Scheiße, Taschentücher vergessen. Schnief. Schritt nach vorn. Fahrradfahrerin schreit. Hops nach vorn. Auto schreit, Hops zurück. Phones zu leise.
Next stop Schlecker. Handschuh aus, Kapuze ab, Phones ab. Verkäuferin schnieft und röchelt Preis raus. Handschuh an, Wechselgeld nehmen, ins Freie treten. Hoffen, dass Frost Viren abtötet. Problem mit Einhandüberzerrtechnik Phones and Mütz und Kapuz. Münzen durch Luft schlenkern. Ach was, steck ein, steck an. Bahn gleitet lautlos um die Ecke. Next stop Bahnhof.
Längere Strecke. Also Handschuh aus, Kapuze ab, Kuriersack auf, Buch raus. Anlesen, wieder einstecken. Wieder nicht an Taschentücher gedacht. Kapuze auf, Handschuh an, aussteigen. Merken, dass wieder nicht an Taschentücher gedacht. Handschuh (Wildleder) auf einer Seite dunkelfeucht und froststarr. Mobilphone rings in the Hosentasche. Merde. Handschuh aus, Phones ab, erster Grabungsversuch schlägt fehl. Mobilphone sagt keinen Ton. Rückruf einleiten. Termin fällt aus. Ooookay. Next station LangTzu Chinamampftempel. Entfernung zweihundert KnartzKnartzKnartz.
Chinamampftempel hat gläserne Wände. Laden fast leer. KnartzKnartzKnartz. Geschäftsmanngroup and Geschäftsfraugroup nähern sich von links. Und rechts. KnarrKnarrKnarrKnarr. Dritter Platz. An Bestellkasse elfter Platz. Laden ist nicht sehr groß. Aber warm. Alle Woks voll unter Feuer. Bleibt genug Zeit zum Ausziehen.
Handschuh aus, Kapuze ab, Mütze ab, Phones and Player ab. Kuriersack ab, Parka aus. Stuhl mit allem beladen. Huch, schon dran. Bestellung aufgeben, praktischerweise gleich zahlen. Zweiten Stuhl suchen. Essen kommt schnell und ist superscharf. Fein. Schwitz. Geschäftsleute haben nur Anzüge und Lederslipper an. Weg zum Bürohaus fünfzig Meter. Harte Burschen.
Mampf beendet, Anzugordnung herstellen. Parka an, zuzerren. Sack über, Player befestigen, Phones über, Mütze auf, Kapuze auf, Handschuh an. Gruß and go. KnartzKnartzKnartz zur Haltestelle. Tram in seven minutes? Ich werd erfrieren.
Schon kriecht Frost zwischen Handschuhstulp und Parkaärmelende. Würschzerrfluch. Endlich dicht. Oder doch nicht? Bahn lautlos um Ecke, fährt fast schon wieder los. KnarrKnarrKnarrKnarrKnarr. Uff. Bahn voll und warm. Viele Haltestellen. Kapuze ab, Handschuh aus, Sack ab and open, Buch raus. Festlesen. Kuschlige Wärme schläfert ein. Zielhaltestelle fast verpassen. Wait of me!! Alles packen und raushopsen. Frostschock. Erwägung, den dreihundert Meter entfernten heimatlichen Wohnblock per Kamikazespurt zu erreichen. Verworfen wegen schlechter Umweltbedingungen. Gute Entscheidung. Parka zu, Mütze festzurren, Sack über, Kapuze auf, Handschuh an. Lets go.Muttchen mit Hinterherzerrrollertasche blockiert zum Schmalpfad verschneetrampelten Exfußweg. Überholen unmöglich, da Vorobjekt stark ondulierten Trinkerschritt an den Tag legt. Resignation. KnaaartzKnaaartzKnaaartz. Kälte kriecht zwischen unzureichend befestigte Handschuhstulpen und Parkaärmel. Überholmöglichkeit wird wegen wieder vertränter Augen nicht wahrgenommen. Letzter Ausweg Eingang Wohnturm. Tür eins, Tür zwei. Concierge grinst diesmal offen.
„Na? Wie wars am Nordpol?“
ZähneKnirschKnirschKnirsch.
Remington - 7. Jan, 05:50

Ich hab mal auf Dich gesetzt...