Freitag, 9. Mai 2008

Kreisch-Krieg

Ich liebe Stille. Und hier im Blog wird auch ein paar Tage Stille herrschen, denn zu Pfingsten wird ein Superwetter und uns werden im Zoo die Leute nur so über den Haufen rennen. Da bleib wohl kaum Kraft übrig. Umso mehr genieße ich die Ruhe vor dem Sturm und meine letzte stille Spätschicht. Alles ist verschlossen und verrammelt, ich habe einen wunderbaren ruhigen Spaziergang durchs Gelände hinter mir. Sarah, die alte Löwin, hat ihren Abendbrüller schon losgelassen und ich tippe ein wenig vor mich hin. Ruhe ist was Feines.

Aus der Tropenhalle des Afrikahauses kommt noch ein wenig Hintergrundgeräusch. Die Elefanten klappern mit ihren Spielbäumen herum, die Horde Spatzen, die sich eingeschlichen hat und für die es extra eine Spatzenfalle gibt (eine Lebendfalle natürlich) kreischt ihren Abendsong. Und dann gibt es noch einen Vogel da drin, der eine sehr laute und eigenwillige Stimme hat, die er auch ertönen lässt. Das klingt ungefähr so:

„diedeldiedeldiedelmiepmiepmiepTübTübTübTSCHÜIEP!“

Ich habe keine Ahnung, wie das Viech heißt. Er ist ziemlich unscheinbar und eigentlich sieht man ihn auch nie, aber der Ruf ist unverkennbar. Er hält immer den gleichen Rhythmus ein, variiert aber den Inhalt. Auch die Tonlage ist immer die gleiche, nur die Lautstärke nimmt zum Ende hin kontinuierlich zu. Da ist er wieder:

„ningelningelningelbiepbiepbiepQuäkQuäkQuäkQUIEEEEK!“

Ganz schön laut heute, fällt mir gerade auf. Und eigentlich…

„biddlbiddlbiddlfiepfiepfiepnagnagnagQUÄÄÄK!“

Das Nervige ist, dass er nicht regelmäßig ruft. Da sitzt man da und hat was geschrieben, konzentriert sich auf den nächsten Satz, erfasst gerade die ersten Worte, hat schon eine Fortsetzung im Hirn, die Finger greifen nach den Tasten, ja, das wird gut werden, man lacht, die Formulierung sitzt, nur noch eine kleine…

„düddldüddldüddlbüpbüpbüpQuiekQuiekQuiekFIEEEP!“

Weg, alles weg. Jetzt fällt mir auch auf, das Geschrei ist viel zu laut. Zu nahe. Die Akustik in der Eingangshalle ist hervorragend, eine Vier-Kopf-Kindergruppe erreicht locker den Kreischfaktor eine Bill-Kaulitz-Gedächtnis-Riege frisch menstruierender Möchtegerngroupies. Da wird doch nicht…

„fillefillefillegieggieggiegQuaQuaQuaKräääh!“

Da oben sitzt er. Auf der Lampe. Mitten in der Eingangshalle. Hockt da rum und trillert wie durchgeknallt. Die Akustik scheint ihm zu gefallen. Das darf doch nicht wahr sein.

„dubbldubbldubblmupmupmupFühFühFühFIEEE!“

Ich stehe unter ihm und starre hinauf. Er sieht wirklich ziemlich unauffällig aus. Etwa Amselgröße, aber erdbraun. Zwei Füße, Schwanz, Flügel, ein völlig normaler Vogel halt. Ich hab Vögel wirklich sehr gerne, am liebsten im Schnellkochtopf. Einen Schnabel hat er auch und jetzt, wo ich zu ihm hochstarre, hält er ihn natürlich. Obwohl er mich gar nicht zu bemerken scheint, weiß er anscheinend genau, wie er mich ärgern kann. Er erledigt meine geliebte Stille so unbarmherzig wie eine Kettensäge ein Papiertaschentuch.

Aber jetzt schweigt er.

Ich kann nicht viel machen. Irgendwie ist er hier reingeraten, irgendwie muss er wieder raus. Ich öffne die Türen zur Tropenhalle erneut, lasse sie sperrangelweit offen. Irgendwann wird er schon wieder reinflattern. Wo war ich stehen geblieben? Aha. Ja. Alles noch mal durchlesen. Moment, hier muss noch…

„dilledilledilleniegniegniegKrahKrahKrahKRIEEEG!“

Okay. Jetzt reichts. Wenn er seinen Krieg haben will, dann soll er seinen Krieg kriegen!

Im Aufspringen ist der Schlachtplan entworfen. Aus Aktenabfall werden schnell einige Marschflugkörper zusammengeknüllt, die Flugbahnen berechnet. Ich muss aufpassen, dass nichts in den Pflanzkübeln landet, sonst muss ich das da rausklauben, das ist dieses Vieh nicht wert. Schon der erste Wurf scheucht ihn von der Lampe und verändert sein Repertoire entscheidend. Allerdings auch die Lautstärke.

„MIEP!!FIEP!!QUIEK!!“

Wenn ich’s nicht besser wüsste, ich würde ihn für ein fliegendes Schwein halten.

Flatterflatterflatter. Ein letztes „Qieek!“, dann geht ihm die Luft aus. Kleine Vögel sind schnell außer Atem. Ich werfe meine Bälle vorsichtig an ihm vorbei, ein Treffer wäre nur Zufall und ich will ihn ja nur in sein Afrikahaus zurückscheuchen. Aber irgendwie misstraut er offenen Türen. Oder aber sein Winzgehirn erkennt gar nicht, dass da etwas offen ist. „MIEP!FIEP!“ Bumm. Ach du dickes Ei. Der Kreischkamikaze ist volle Kanne gegen die Scheibe des Nackmullgeheges gedonnert.

„Flüüp.“ Flappflapp. Fliegen ist wohl nicht mehr. Er hat leichte Schlagseite. Mir wird bammelig. Immerhin ist hier schon ein Kollege gefeuert worden, weil er coram publico eine Kakerlake zerlatscht hat. Mit zwei schnellen Schritten bin ich ran, er flappt noch mal weg, aber dann habe ich ihn.

Vorsichtig, Vogelknochen brechen leicht. Er hackt mich ein bisschen, aber viel Kraft ist da nicht mehr. Kein Wunder nach der Hetzerei. Und den Schnabel hält er natürlich auch. Ich trage ihn hinüber.

Die Stiege hinauf auf die Holzbrücke, dort oben hat er immer gesessen. Ich setze ihn auf einem Pfeiler ab und immerhin kann er schon wieder alleine stehen. Zwei Schritte zurück, wir beäugen uns. Dann wirft er sich in die Luft, noch etwas taumelig flattert er davon und kracht in einen Busch. Ich höre nichts zu Boden fallen, also wird er sich wohl irgendwo festgekrallt haben. Und wahrscheinlich mit seinem Anwalt telefonieren.

Wieder am Computer stelle ich fest, dass es Zeit für die zweite Runde ist. Als ich zurückkomme, ist die Zeit des Abendliedes wohl vorbei, im Afrikahaus lärmen nur noch die Spatzen. Oder?

„Füüp. Diedeldü. Miep.“

Kümmerlich, verglichen mit seinen früheren Darbietungen. Und seine Melodie scheint er auch verloren zu haben. Ich hab da doch hoffentlich kein Trauma ausgelöst, oder?

Mittwoch, 7. Mai 2008

Mistviecher

Ich weiß nicht, was das soll. Kaum sprießt das Gras, fangen diese unendlich ekelhaften Geräusche wieder an. Allüberall wird gemäht, gehäckselt, geharkt, gerecht und geschnitten. Genau wie im Winter. Kaum ist das weiße Zeug unten, hat man nichts Eiligeres zu tun als es zu vernichten. Dabei hat man die ganze Zeit geheult, dass man es haben will.

Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind mir Menschen echt unsympatisch.

Dienstag, 6. Mai 2008

RBB

Fernsehen ist Gift, war meine Überzeugung. Okay, wie alle Überzeugungen wird so was irgendwann zum persönlichen Dogma und da kann einem doch einiges entgehen. Mir persönlich vielleicht Stefan Raabs Sängercasting (und jede Menge Werbung, bäh), aber was haben die denn aus dem RBB gemacht?

Knallhart-eloquente Interviewer, kompetente, schlagfertige Diskussionspartner, gute Bilder. Die Diskussion war sehens- und hörenswert. Kaum mal ein „äh“. Als Sahnehäubchen hätte noch gefehlt, dass der Mainer seinen Partnern für ihre guten Beiträge dankte. Das Thema

Ich war doch einigermaßen baff. Mit gutem Gewissen zahle ich nun weiter meine Rundfunkgebühren.

Ich habe auf diesem Sender auch zum ersten Mal einen Polizisten erlebt, der wie ein Mensch spricht. Seltsam. Ist was los in diesem Land? Oder war ich bloß blind?

Ungefähr so...

streckeli


...fühl´ ich mich. Seit ner Woche.

Foto: D.Schumann

Donnerstag, 1. Mai 2008

Frühlingsnachtheimradelgedanke

Einsamkeit ist ein leeres dunkles Zimmer in einem leeren dunklen Haus an einer leeren stillen Straße. Immer ist es warm bei diesem Gefühl, manchmal regnet es, aber nicht schlimm, man hat nichts auszustehen. Man steht nur da in diesem großen leeren Zimmer in diesem großen leeren Haus an der stillen Straße, man steht da mit mutlos hängenden Armen und vom Herzen abwärts über den ganzen leeren Bauch erstreckt sich das absolut sichere Gefühl, diese Leere um einen herum und in einem selbst mit nichts mehr füllen zu können, nie mehr.

Aber das geht auch wieder weg.

Mittwoch, 30. April 2008

Panzerknacker

Hab grad mein eigenes Fahrradschloss knacken müssen. Ein Panzerkabel. Dachte, ich hätte noch einen Ersatzschlüssel, aber nach einigen Umzügen ist der wohl in der Versenkung verschwunden. Merde.

Mein mir sehr kostbares KTM über Nacht irgendwo stehen zu lassen, widerstrebt mir zutiefst, aber es ging nicht anders. Der Schlüssel war am Griff gebrochen und vom Schlüsselbund gefallen und ich hatte ihn lose in der Hand. In der Bibliothek totaler Quatsch, da ich offenbar beim Büchersuchen völlig den Kopf verliere. Weg und nicht mehr zu finden. Merde. Und niemand, den ich anrief, hatte eine Eisensäge!!

Ich auch nicht, obwohl ich’s dachte. Keine Eisensäge, so was. Das wäre zu Ostzeiten nie passiert.

How auch ever, heute morgen tobte ich mit Kabeltrommel, elektrischer Pendelhubsäge mit Metallsägeblatt und dem Kassenzettel fürs Rad los und besorgte mir erst mal Strom aus der Apotheke, vor der das KTM angeschlossen war. Kein Thema für die Damen da, aber der Krach, den ich dann veranstaltete, beunruhigte sie denn doch. Ich habe sage und schreibe zwanzig Minuten gebraucht, um das nicht einmal halbfingerdicke Kabel durchzukriegen.

Hat übrigens keine Sau interessiert, was ich da mache. Gefragt hat jedenfalls keiner.

Sonntag, 27. April 2008

Ich verstehs nicht

Kann mir das mal jemand erklären?

Ich komme aus einem Regime. Ich kenne das also. Wieso ist neuerdings die Unterdrückung der Wahrheit und die findet doch wohl dort statt, legitim? Oder verstehe ich da was falsch?

Samstag, 26. April 2008

Unsre gute Tat gib uns täglich

Ein Schlüsselbund wird abgegeben an der Zoo-Kasse. Es kommt wesentlich häufiger vor als man annimmt, dass Fundsachen abgegeben werden und beileibe nicht immer wertlose. Wir hatten schon Digitalkameras für hunderte von Euro hier und gut gefüllte Brieftaschen. Das Schlüsselbund jetzt ist auch nicht gerade wertlos. Etliche Sicherheitsschlüssel, ein Tresorschlüssel und noch einige Spezialitäten des Verrammelgewerbes; alles in allem ein gutes Viertelkilo Stahl. Und noch ein zweites, ein Bündchen mit Ledertasche, auf dem „Garten“ steht.

„Ich habs auf der Bank gefunden.“ Der Mann weist unbestimmt die Richtung. „Im Park drüben, gleich auf der ersten Bank. Hat wohl jemand da abgelegt.“

Zuerst verstehe ich nicht ganz. Denn eigentlich müsse ich jetzt ein Fundsachenprotokoll aufnehmen, mit seinem Namen und Adresse und Fundortangaben, wahrscheinlich noch ein Wetterbericht oder sonst was. Ich weiß im Moment nicht, wo die Wische liegen und wie man die ausfüllt und so lange will er auch nicht warten. Ein junger Mann ist es, noch nicht dreißig. Unauffällig, flüchtiges Lächeln. Er hat es eilig.

Na gut, denn. Wir haben eine Schublade für wertvollere Sachen. Mützen, Schals, Spielzeug und ähnlicher Tinnef wandert in Pappkartons, von denen wir schon viel zu viele haben. Ich schreibe einen Zettel dazu, vielleicht meldet sich ja jemand.

Ein Tag später. Der Dienst war ruhig und ich ziehe per Zufall die Schublade auf, um nach meinem Zettel zu sehen. Der Kollege steht daneben und ich erzähle die Begebenheit.

„Mist“, sagt er. „Da hat doch gestern einer angerufen wegen Schlüsseln. Sind Geschäftsschlüssel, der Typ war am heulen, echt. Aber er hat ne Tasche verloren, hat er gesagt, deshalb…Mensch, die hängen dem ne Schadenersatzklage an, wenn er die nicht wiederkriegt.“

Was tun?

Ich bin nicht so bewandert, der Kollege zum Glück doch. Auf vielen der Sicherheitsschlüssel sind Nummern eingeschlagen, wir entdecken sogar eine Firmenadresse. Und eine Telefonnummer. Sogar nach achtzehn Uhr geht da noch jemand ran.

„Ja, das ist ein Schlüssel von uns…Ich kann ihnen aber wirklich keine Angaben…“

Na klar kann er nicht. Datenschutz. Und es ist Freitagabend. Jemand hat da gleich ein ziemlich banges Wochenende vor sich.

„Und wenn ich ihnen die Schlüsselnummer durchgebe, könnten sie dann versuchen, jemanden zu erreichen?“
„Die Nummer gehört zum Bestand einer Wohnungsgesellschaft. Wenn dort noch jemand da ist oder die eine Notrufnummer haben…vielleicht. Ich werd sehen, was sich machen lässt.“
„Okay. Wäre gut. Das sieht wirklich wichtig aus hier.“

Wir legen auf. Dann fällt mir ein, wie blödsinnig das ist.

„Hallo, der Zoo noch mal.“
„Hm?“
„Und wenn ich ihnen den Schlüssel vorbeibringe? Der Kunde wird doch sicher bei ihnen in der Nähe wohnen und mein Weg führt auch direkt an ihrem Laden vorbei. Aber ich komme erst nach neun abends hier weg. Haben sie morgen geöffnet?“
„Ja. Bis zwölf“.
„Okay, dann bis morgen.“
„Bis morgen.“

Heute war morgen. Und als praktizierender Langschläfer halte ich nach Möglichkeit einen Brunch-Schlaf. Also bis Mittag. Verdammt.

„Schlüsseldienst Müller?“
„Ja, ich hier. Das Riesenschlüsselbund, sie erinnern sich?“
„Oh ja. Der Kunde war schon dreimal da, heute früh gleich als erstes. Kommen sie noch vorbei?“
„Bin schon unterwegs.“
„Okay, ich warte dann hier.“

Zehn nach zwölf war ich da. Der Laden noch offen, der Inhaber völlig gelassen hinter dem Tresen. Ich lege die Schlüssel auf den Tisch.

„Ich hab ihn angerufen, er kommt dann gleich noch.“
„Alles klar. Tschüss.“

Ich muss noch einkaufen. Und wach bin ich auch nicht so richtig. Typisch Nachtmensch. Abgang.

Sicher wäre es einfacher gegangen, irgendwie. Mit mehr Nachdenken vielleicht, okay. Beim nächsten Mal.

Merkenswert scheint mir nur, dass keiner der Beteiligten es irgendwie für nötig hielt, seinen Namen zu vermerken oder so. Man tat, was nötig war, steuerte bei, was man konnte und wusste. Wenn sich also irgendwer irgendwann fragt, was diese Gesellschaft hier noch zusammenhält, dann sind das Leute wie die da.

Verknallt

Aber sowas von. Dachte nicht, dass diese Art Sängerin noch hergestellt wird.

Ich hab ja kein Pro7 und bin deshalb wie immer spät dran, aber zwei Dinge sind sicher. Sie wird ihre Unschuld schnell verlieren, aber von ihr wird auch noch viel zu hören sein.


Beachtenswert auch die Kommentare darunter.

Geh ich eigentlich nur arbeiten, um Assis wie dir mit meinen KV-Beiträgen den Entzug zu bezahlen?

Volkes Stimme.

Freitag, 25. April 2008

Life is hard

Ich koch ja ab und zu mal. Und immer zuviel, weshalb ich Teilmengen des Zusammengemanschten mit in den Job schleppe. Per Rad und Rucksack. Was eine gute Verpackung voraussetzt.

Mein letztes geeignetes Behältnis blieb als Kriegsbeute bei der letzten Beziehung zurück und was ich noch hatte, erwies sich immer als leicht undicht. Immer ne versuppte Plastiktüte am Ziel zu entsorgen ist auch nicht das Wahre, also suchte ich Ersatz. Hat ne Weile gedauert, ich bin vergesslich beim Einkaufen. Und wählerisch dazu. Dann fand ich´s aber. Superfester Deckelverschluss lautete der werbende Aufdruck. Gekauft.

Prima Teil. Raus kommt nichts mehr. Aber ich komm auch kaum noch rein.

UND JETZT BRECHE ICH MIR SCHON ZUM ZWEITEN MAL EINEN FINGERNAGEL AB AN DIESEM SCHEISSDING!!

Omen

Hab grad nen Ebay-Schnapp geliefert gekriegt. Ein australischer Schafhirten-Ölbaumwolle-Superregenmantel. Paßt prima zu meinem Super-Ölbaumwolle-Breitkrempenregenpaddelhut. Und wisst ihr, was das bedeutet?

Es wird erst mal ne Weile nicht mehr regnen.